Free cookie consent management tool by TermsFeed Mehr als Show: Wie Eventmanager*innen Stimmungen, Atmosphäre und Verbundenheit gestalten – MedienManagen | USTP University of Applied Sciences St. Pölten
Medien & Gesellschaft

Mehr als Show: Wie Eventmanager*innen Stimmungen, Atmosphäre und Verbundenheit gestalten

Für SUMO spricht Dina Benayyad mit Romana Huber und Tina Fallmann von der Agentur Fuchs und Freude sowie mit Ali Sari, Geschäftsführer von Almes Media, darüber, wie Events geplant, inszeniert und visuell erzählt werden. 

TEXT: DINA BENAYYAD / FOTO: ADOBE STOCK

Wenn ein Event wirklich funktioniert, passiert etwas Merkwürdiges: Menschen vergessen die Uhrzeit, Gespräche werden plötzlich ehrlich und aus Fremden wird für ein paar Stunden so etwas wie ein Wir. Eine Marke fühlt sich nicht mehr wie ein Logo an, sondern wie ein gemeinsamer Moment, den

im Raum miterschaffen. Nichts davon ist Zufall. Hinter den Kulissen sitzen Menschen, die Atmosphären bauen wie andere Bühnenbilder und die genau wissen, welche Details eine Nacht gewöhnlich machen und welche sie unvergesslich werden lassen. 

Vom Kundenwunsch zur Erlebniswelt 

Wenn Unternehmen heute ein Event planen, erwarten sie längst mehr als einen stimmigen Ablauf. Sie wollen eine Erlebniswelt, die ihre Werte spürbar macht und Menschen emotional abholt. Moderne Eventplanung beginnt deshalb nicht mit Bühnen, Technik oder Catering, sondern mit einer Frage, die zunächst unscheinbar wirkt: Was sollen die Menschen fühlen, wenn sie am Ende nach Hause gehen? Von diesem Punkt aus entfaltet sich die gesamte Dramaturgie eines Abends. Farben, Licht, räumliche Führung, Musik, kleine Details an unerwarteten Orten - all das wird zu Bausteinen einer Gefühlswelt, die nicht nur informieren, sondern berühren soll. Wie Konzeptionistin Romana Huber von Fuchs und Freude sagt, geht es darum, Emotionen gezielt einzusetzen, „weil man sich Dinge über Emotionen am besten merkt“. Der Prozess gleicht einer Übersetzung: Ein abstrakter Markenwunsch wird in Atmosphäre verwandelt, die man sehen, hören und spüren kann. 

Die Kunst, Gefühle zu planen 

Dass Emotionen planbar sind, bedeutet nicht, dass sie sich künstlich erzeugen lassen. Vielmehr bestehen Events aus hunderten kleinen Entscheidungen, die gemeinsam eine Stimmung formen. Besonders stark zeigt sich das bei internen Veranstaltungen, die Firmen heute immer häufiger nutzen, um Bindung und Gemeinschaft zu stärken. Der emotionale Eindruck soll nicht nur während des Events, sondern auch danach wirken. Ein sorgfältig gestalteter Abend kann Mitarbeiter*innen, Partner*innen oder Kunden*innen stärker an ein Unternehmen binden als jede Präsentation. Gleichzeitig müssen Eventteams sensibel bleiben, denn unterschiedliche Zielgruppen reagieren unterschiedlich auf Inszenierungen. Ein Element, das in einem jungen, kreativen Umfeld für Begeisterung sorgt, kann bei einem technisch geprägten Publikum völlig verpuffen. Die Kunst besteht darin, Bedürfnisse zu erkennen, ohne Klischees zu bedienen. „Man will Identifikation schaffen und eine Erinnerung kreieren“, fasst Huber den Kern des modernen Eventdesigns zusammen. 

Hinter der Kamera: die Jagd nach dem perfekten Augenblick

Während Eventmanager*innen Emotionen planen, fängt ein Fotograf jene Momente ein, die sich nicht planen lassen. Die visuelle Berichterstattung ist längst ein zentraler Bestandteil des Gesamterlebnisses, denn oft bleiben Fotos und Videos länger im Gedächtnis als der Abend selbst. Ali Sari, Geschäftsführer von Almes Media, beschreibt seine Rolle als Foto- und Videograf als jenen Punkt, an dem Inszenierung und spontane Stimmung zusammenfließen: „Ich sehe mich als Beobachter und Geschichtenerzähler“. Er weiß, dass die wertvollsten Bilder jene sind, die man nicht inszenieren kann. Ein spontanes Lächeln, ein starker Moment während einer Rede, eine Berührung am Rande des Saals -  all das passiert im Bruchteil einer Sekunde. Etwa 80 Prozent dieser Momente entstehen laut Sari ganz von selbst, ohne dass jemand sie geplant hätte. Gleichzeitig arbeitet er eng mit dem Eventteam zusammen, um emotionale Höhepunkte zu antizipieren und an den richtigen Stellen bereit zu stehen. Denn auch die besten spontanen Fotos brauchen Vorbereitung: Licht, Perspektive und der richtige Zeitpunkt entscheiden darüber, ob eine Atmosphäre wirklich transportiert wird. „Bilder prägen die Wahrnehmung eines Events stärker als jeder Text“, sagt Sari, und in Zeiten digitaler Medien gilt das mehr denn je. 

Wenn Strategie und Realität kollidieren 

Je durchdachter ein Event vorbereitet ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Realität an irgendeiner Stelle dazwischenfunkt. Prozesse, Genehmigungen, Wetter, Lieferbedingungen, menschliche Unberechenbarkeit – all das kann zu unvorhergesehenen Wendungen führen. Besonders sichtbar wird das bei großen Produktionen, bei denen viele Elemente gleichzeitig funktionieren müssen. 

Ein Bus, der nicht rechtzeitig parken darf, ein Dienstleister, der im letzten Moment absagt, ein technisches Detail, das trotz aller Vorarbeit streikt - solche Situationen sind keine Ausnahme, sondern ein natürlicher Bestandteil des Berufsfelds. „Man plant alles bis ins Detail, aber am Eventtag gibt es immer Dinge, die außerhalb der eigenen Macht liegen“, sagt Projektleiterin Tina Fallmann. Entscheidend ist dann die Haltung im Team. Über ihre Geschäftsführerin sagt sie mit einem Lächeln: „Stephanie sagt, es gibt keine Probleme, es gibt nur Herausforderungen.“ Diese Sichtweise prägt den Umgang mit schwierigen Momenten: Statt zu blockieren, wird nach Lösungen gesucht. Die wahre Stärke eines Eventteams zeigt sich deshalb oft nicht in der perfekten Planung, sondern darin, wie ruhig und kreativ es in solchen Augenblicken bleibt. Flexibilität, Nervenstärke und der schnelle Blick für Alternativen sind inzwischen genauso wichtig wie jede technische Expertise.

Emotionen sichtbar machen 

Ob ein Event emotional funktioniert hat, zeigt sich selten im Budgetbericht oder in Messwerten. Erfolg wird vielmehr in den Reaktionen der Menschen spürbar. Entscheidend ist, ob der Raum gelebt hat oder nur gefüllt war, ob Gäste miteinander interagiert haben und ob es Momente gab, in denen die Energie des Publikums sichtbar wurde. Solche Eindrücke entstehen intuitiv. „Man merkt einfach, ob eine Stimmung da ist oder nicht“, erklärt Romana Huber. Viele Unternehmen sammeln inzwischen systematisch Feedback ihrer Mitarbeitenden oder Gäste, doch entscheidend sind nicht einzelne Kritikpunkte, sondern der emotionale Gesamteindruck. Auch aus Sicht des Fotografen ist die Bewertungsfrage klar: Starke Momente erkennt man daran, wie sie sich im Raum anfühlen. 

Ali Sari erinnert sich an einen Galaabend, bei dem ein Künstler nach langer Krankheit zurückkehrte und minutenlang stehende Ovationen bekam. Für ihn war dieser Moment eine Erinnerung daran, warum er diesen Beruf liebt, weil „diese Mischung aus Freude und Dankbarkeit in jedem Gesicht zu sehen war“. Emotionen lassen sich also nicht einfach messen, aber sie lassen sich erleben. Und genau das zählt. 

Was von einem Event bleibt 

Events sind heute komplexe Erlebnisräume, in denen Strategien, Atmosphäre, Gestaltung und spontane Momente ineinandergreifen. Sie sind zu Plattformen geworden, auf denen Marken erlebbar werden und Gemeinschaft entsteht. Doch hinter der ästhetischen Oberfläche verbirgt sich ein Handwerk, das gleichermaßen rational und emotional ist. 

Ein Event kann minutiös geplant sein, sein Erfolg hängt dennoch davon ab, ob Menschen sich verbunden fühlen, ob sie überrascht wurden, ob sie etwas gespürt haben. Die Arbeit der Eventmanager*innen und Fotograf*innen zeigt, wie fein abgestimmt dieses Zusammenspiel sein muss. Am Ende bleibt eine einfache Wahrheit: Ein Event ist dann gelungen, wenn es den Menschen etwas gibt, das länger bleibt als ein Abend. Eine Erinnerung. Eine Stimmung. Ein Gefühl.  

Dina Benayyad

Portrait1
Ali Sari, Copyright: Almes Media
Portrait1
Romana Huber, Copyright: FuchsundFreunde
Portrait2
Tina Fallmann, Copyright: FuchsundFreunde