Malena und Teresa unterhalten sich nach einer Vorlesung über ihre gemeinsame Leidenschaft für die wunderbare Welt der Bücher. Wie viele andere Leseratten stehen sie immer wieder vor der Herausforderung, nach dem letzten Lieblingsbuch die passende nächste Lektüre zu finden. Im Gespräch tauschen sie sich darüber aus, welche Rolle digitale Empfehlungssysteme dabei spielen
Empfehlungen wie du sie noch nie kanntest
Malena: „Kennst du das? Du suchst ein Buch, das naja eben genauso gut war, wenn nicht sogar besser als das, was du zuvor gelesen hast. Keine Zeit, um stundenlang in der Buchhandlung Klapptexte zu lesen oder Gespräche mit den Mitarbeiter*innen zu führen, nur um dich dann erst recht für das Falsche zu entscheiden. Wie so vieles in der heutigen Zeit soll es einfach schnell gehen. Schnell soll ein neues Buch her, um nicht im nächsten Reading-Slump[1] zu landen. Was gibt es also Besseres als Empfehlungssysteme?“
Teresa: „Ja total, Empfehlungssysteme sind ja etwas sehr Ausgeklügeltes. Der bekannteste ist hier der kollaborative Filter[2], von diesem hat Axel Zerdick[3] im letzten Jahrhundert schon gesprochen.“
Malena: „Genau, hier wird analysiert, was jemand früher gekauft hat, ordnet die Person dann Affinitätsgemeinschaften[4] zu und schlägt passende Dinge vor. Das läuft alles automatisch im Hintergrund.“
Teresa: „Bei Buchempfehlungssystemen läuft es ähnlich. Da gibt es zusätzlich noch den Content-basierten Filter[5]. Dieser vergleicht nicht mit anderen Nutzer*innen, sondern filtert nach dem Inhalt des Buches. Das ist besonders praktisch, wenn ein Buch noch kaum Bewertungen hat. Meistens arbeiten diese Systeme kombiniert, also als Hybrid, damit man die Vorteile beider Methoden nutzt.“
Malena: „Die bekanntesten Anbieter sind hier zum Beispiel Thalia oder Amazon. Wahre Leseratten tracken ihren Lesefortschritt aber auch in einer Buch-App wie zum Beispiel Storygraph[6] oder Goodreads[7]. Auch hier kommen wieder Empfehlungssysteme zum Einsatz. Neben der Möglichkeit Bücher nach Stimmung zu suchen, wird das System auch schon von KI unterstützt, was die Empfehlungen noch personalisierter macht.“

Teresa: „Malena, du bist ja auch eine wahre Leseratte. Was ist dein Lieblingsempfehlungssystem? Nutzt du Thalia, Goodreads oder was gibt es da noch?“
Malena: „Ich finde, wir sollten nicht nur an klassische Empfehlungssysteme denken, denn auch die Algorithmen von Plattformen wie z.B. TikTok spielen heute eine große Rolle bei Empfehlungen. Ich rezipiere vor allem Kurzvideos unter dem Hashtag #BookTok[8]. Hier wird mit viel Emotion[9] und subjektiven Erfahrungen von gelesenen Büchern gesprochen. Dadurch schaffen die Creator auch bei mir ein Gefühl von Vertrauen, weshalb ihre Empfehlungen oft glaubwürdig auf mich wirken. Gleichzeitig entsteht auch eine Vorfreude darauf, ein Buch zu beenden, denn dann geht der Spaß erst so richtig los: Ich kann mich mit anderen Nutzer*innen austauschen und Content zu trendenden Büchern anschauen, deren Anspielungen nur Menschen verstehen, die das Buch ebenfalls gelesen haben. Aber ich weiß ja, dass du auch gerne Bücher liest. Benutzt du auch BookTok?"
Teresa: „Ich habe noch nie BookTok benutzt, meine Empfehlungen suche ich mir anders. Was ich am häufigsten dafür benutze, ist YouTube. Das ist wahrscheinlich ähnlich zu BookTok, aber ich finde durch den längeren Content, baut man eine Art parasoziale Beziehung[10] auf. Denn dabei denke ich mir häufig “ja, du kennst genau meinen Geschmack, also wenn dir ein Buch gefallen hat, wird es mir auch gefallen”, obwohl ich weiß, dass die andere Person mich ja eigentlich gar nicht kennt.„

Vorteile, die sich bis zum Dach häufen
Malena: „Also für uns ist es ganz klar: wer treffsicher beim nächsten Lieblingsbuch landen will, sollte nicht auf moderne, digitale Empfehlungssysteme verzichten, denn Vorteile gibt es zuhauf. Was sind für dich die eindeutigsten Vorteile?“
Teresa: „Wo soll ich da bloß anfangen? Durch diese Systeme kann ich Leseflauten überwinden, die Fehlkäufe reduzieren und neue Genres entdecken, auf die ich nie gekommen wäre. Ich finde dadurch unerwartete neue Lieblingsbücher mit Covern, die mich vielleicht im ersten Moment nicht sehr angesprochen hätten oder neue Autor*innen, die ich sonst nie auf dem Schirm gehabt hätte. Genau diese überraschenden Entdeckungen sorgen für die schönsten Leseerlebnisse.“
Malena: „Absolut. Auch wenn ein langer Vormittag in der Buchhandlung mit anschließenden Kaffeetratsch eine der besten Samstagsbeschäftigungen ist, muss es hin und wieder an unterschiedlichsten Orten schnell gehen. Oft sind es nur kleine Aspekte, die mich in einem Buch begeistert haben und ich unbedingt nochmal lesen will, die ich dann dank des Content-basierten Filters in einer Empfehlung wiederfinde. Empfehlungssysteme helfen dabei nicht nur bei der Orientierung, sondern machen aus der Suche nach dem nächsten Buch selbst schon einen Teil des Lesespaßes.“
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Malena: „Jetzt ging es die ganze Zeit um Empfehlungssysteme, aber oft stecken hinter Empfehlungen nicht nur maschinelle Systeme, sondern auch einfach Menschen. Was sind Bücher, die du empfehlen kannst?“
Teresa: „Ein sehr gutes Buch, dass Menschen, die sich verloren fühlen und keine Angst vor einer unsympathischen Protagonistin haben, lesen sollten, ist “Sex and Rage: Advice to Young Ladies Eager for a Good Time”[11] von Eve Babitz. Man begleitet die Hauptfigur bei ihrem Leben am Rande des Glitz and Glams in Los Angeles der 1970er Jahre.
Ein weiteres Buch mit echter Starpower ist “Winter in Sokcho”[12] von Elisa Shua Dusapin. Eine junge Frau, die in einem einsamen Ort in der Nähe zu Nordkoreas Grenze arbeitet, trifft einen französischen Cartoonisten, der die Monotonie ihres Alltags durchbricht.“
Malena: „Wow, danke das klingt echt spannend. Ich habe noch eine Empfehlung für alle, die sich gerne emotional mitreißen lassen und in Gedanken versinken. „Vom Ende der Einsamkeit“[13] von Benedict Wells ist eine wunderschöne Lektüre über Verlust, Liebe und Identitätssuche.“
Teresa: “Das klingt auf jeden Fall nach einem berührenden Buch, dass ich mir mal anschauen werde, aber ich muss jetzt leider los – ich bin mit einer Freundin in einem Buchcafé verabredet. Leseratten sind nicht automatisch einsam, haha.”
Malena: „Na das passt ja perfekt, vielleicht stolperst du da ja über dein nächstes Lieblingsbuch. Denn egal ob Algorithmus oder Zufall: Der Lesespaß beginnt immer mit einer guten Empfehlung.“
Quell- und KI-Nachweis
[1] https://caitsbooks.com/2019/01/20/the-reading-slump-causes-cures[2] https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-642-56418-5[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Axel_Zerdick[4] https://tchop.io/de/resources/glossary/audience-engagement/affinit%C3%A4tsgruppen[5] https://www.researchgate.net/publication/395836708_Book_Recommendation_Systems[6] https://app.thestorygraph.com/[7] https://www.goodreads.com/[8] https://www.tiktok.com/tag/BookTok[9] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/booktok-tiktok-buchhandel-buchmarkt-100.html[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Parasoziale_Interaktion[11] https://www.goodreads.com/en/book/show/32332902-sex-and-rage[12] https://www.goodreads.com/book/show/52873922-winter-in-sokcho?from_search=true&from_srp=true&qid=qcbON7xYFE&rank=1[13] https://www.goodreads.com/book/show/28051948-vom-ende-der-einsamkeit?from_search=true&from_srp=true&qid=3PtcaPwXHq&rank=1Über die Autorinnen

Teresa Lukas
knackige 26 Jahre, studiert im 4. Fachsemester Medienmanagement an der USTP. Sie interessiert sich für Belletristik, vor allem zeitgenössische und literarische Romane.

Malena Hahn
ist 21 Jahre alt und studiert im 4. Fachsemester
Medienmanagement an der USTP. Sie interessiert sich für literarische Fiktion, alte Klassiker aber auch Fantasy-Romane begeistern sie.
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