Ocean's Eleven
Du hast bestimmt schon oft gehört, dass ein Film ein Remake ist – und das kommt öfter vor, als man denkt. Aber was ist ein Remake eigentlich?
Remakes sind Geschichten, in unserem Fall Filme, die es schon einmal gab und die bereits veröffentlicht wurden. Diese Geschichten werden aufgegriffen und neu produziert. Die Geschichte bleibt die gleiche, doch andere Dinge werden für eine neue Veröffentlichung angepasst. Durch neue Technik und dramaturgische Trends können manche Stoffe besser erzählt und stärker in die Tiefe ausproduziert werden. Filme werden in einer Sprache für ein Land produziert und erzielen dadurch nur wenig Reichweite – ein internationales Studio kann eine solche Geschichte für die breite Masse zugänglich machen. Und manchmal werden auch vergessene Geschichten für eine neue Generation neu aufgelegt. Zu Beginn des Kinos im 19. Jahrhundert, dem Stummfilmkino, hatte gelegentlich jede örtliche Aufführung einen anderen Pianisten zur Begleitung der Handlung – es war eigentlich immer der gleiche Film, gut ein paar Sequenzen rissen heraus, Materialverschleiß durch wiederholte Aufführungen. Es waren Remakes.
Hättest du zum Beispiel gewusst, dass es von „Ocean's Eleven“ eine ältere Version gibt – sozusagen das „Original"? Danny Ocean hat bereits 1960 seine Truppe versammelt und seinen Coup durchgezogen, damals noch mit Frank Sinatra statt George Clooney.
Wenn man genauer hinschaut, gibt es in der Filmwelt zwei verschiedene Arten von Neuauflagen: das Remakeund den Reboot. Beim Remake bleibt die Geschichte gleich, der Film wird nur an die Gegenwart angepasst – neue Schauspieler*innen, bessere Effekte, schnelleres Tempo beispielsweise. Ein Remake ist wie ein Haus, das renoviert wird: Die Wände bleiben stehen, aber es gibt neue Möbel und frische Farbe. Genau das ist bei „Ocean's Eleven“ aus dem Jahr 2001 passiert.
Ein Reboot ist dagegen ein echter Neustart für eine ganze Filmreihe. Die Vergangenheit wird gelöscht, die alten Filme zählen nicht mehr, die Geschichte fängt von vorne an. Bei „Ocean's Eleven“ würde ein Rebootbedeuten: Die Filme mit George Clooney haben nie existiert. Danny Ocean wäre vielleicht ein 19-jähriger Anfänger in London, der seinen allerersten Diebstahl plant. Ein Reboot ist also kein Renovieren, sondern ein Abriss: Das alte Haus wird plattgemacht, nur das Grundstück bleibt, und darauf entsteht etwas völlig Neues.
Aber warum schauen wir uns Remakes überhaupt an, wenn das Original bekannt ist? Ein großer Grund ist der Nostalgieeffekt. Wir wollen Erinnerungen noch einmal erleben, das Gefühl von „damals“ zurückbekommen – nur eben mit einem neuen Twist. Die Musik von früher, die vertrauten Figuren, die bekannte Geschichte: All das wird wieder lebendig, aber in einer neuen Form.
Und manchmal ist ein Remake so erfolgreich, dass es damit nicht getan ist. „Ocean's Eleven“ von 2001 hat beim Publikum einen Hype ausgelöst und wurde auch wirtschaftlich ein großer Erfolg. Das war die Grundlage dafür, dass zwei weitere Teile folgen konnten: „Ocean's Twelve“ im Jahr 2004 und „Ocean's Thirteen“ im Jahr 2007 – jeweils mit demselben Cast rund um George Clooney und Brad Pitt. So kann aus einer einzigen Neuverfilmung ein ganzes Franchise entstehen, das ohne den Mut zum Remake nie den Weg auf die Leinwand gefunden hätte.
The Jungle Book
Die Geschichte rund um Mogli, Balu und Baghira ist seit Jahrzehnten bekannt. Wir sind mit dem Walt-DisneyZeichentrickfilm aus dem Jahr 1967 aufgewachsen, gut, tatsächlich etwas später, aber damit aufgewchsen sind wir dennoch.
Wenn man von Remakes redet, denken viele vermutlich zuerst and neue Schauspieler*innen oder eine modernere Inszenierung. Im Fall von The Jungle Book liegt die größte und grundlegendste Veränderung in der technischen Umsetzung. Das Remake erzählt die Geschichte auf eine Art und Weise, die zum Zeitpunkt der ursprünglichen Produktion nicht möglich war. Die Tiere und die Dschungellandschaft stammen in der Neuverfilmung vollständig aus dem Computer, sind nicht mehr händisch gezeichnet. Die Bewegungen der Tiere wurden mithilfe Motion-Capture-Technik und dem Studium realer Tieraufnahmen bis ins kleinste Detail simuliert. So lassen Computeranimationen und digitale Effekte den Dschungel lebendig wirken und erschaffen eine Bildwelt, die Zuschauer*innen tief in die Geschichte eintauchen lässt.
Gerade dadurch wird ein Stoff, der so bekannt ist, auch für nachfolgende Generationen wieder interessant, wird in deren Lebenswelt projiziert. Wer mit moderner Bildsprache aufgewachsen ist, erlebt die Geschichte anders als früheres Publikum. Bei uns Autoren selbst löst das Remake eine Mischung aus Nostalgie und Staunen aus: Ich, Jasmin, erinnere mich an die ursprüngliche Geschichte, bin aber gleichzeitig beeindruckt davon, wie realistisch und lebendig sie durch die neue Technik dargestellt wird. Mein kleiner Bruder hingegen ist mit moderner Animationstechnologie aufgewachsen und erlebt „The Jungle Book“ nicht als Neuauflage einer bekannten Geschichte, sondern als ein eigenes, neues Abenteuer.
The Departed
Bisher haben wir uns vor allem angeschaut, wie Remakes innerhalb von Hollywood funktionieren – US-Filme, die andere US-Filme neu erzählen. Aber Remakes ergeben vor allem dann Sinn, wenn sie noch etwas anderes leisten: wenn sie Geschichten, die in einem nationalen Markt zwar funktionieren, aber international keine Reichweite bekommen, einem größeren Publikum zugänglich machen. Manche Geschichten sind einfach erzählenswert. Sie sollten weitererzählt werden und an die Öffentlichkeit gelangen. Jeder sollte Zugang zu diesen Filmen haben – und das geht oft nur, wenn eine große Produktionsfirma mit den nötigen Mitteln – Budget, Marketing, weltweitem Vertrieb – ein Remake daraus macht. Ein Beispiel dafür ist „The Departed“ von Martin Scorsese. Der Film handelt von einem Polizisten, der bei der Mafia eingeschleust wird, und einem Mafiamitglied, das bei der Polizei eingeschleust wird. Beide suchen den jeweils anderen – den Maulwurf auf der Gegenseite. Sie wissen voneinander, kennen sich aber nicht, und genau aus dieser doppelten Identität zieht der Film seine Spannung.
„The Departed“ basiert auf dem Film „Infernal Affairs“, der 2002 in Hongkong von Andrew Lau und Alan Makproduziert wurde. In Asien war „Infernal Affairs“ ein riesiger Erfolg, der Film hat bei den Hong Kong Film Awards viele Preise gewonnen. International hat er die Grenzen aber nie wirklich überschritten – außerhalb des asiatischen Marktes blieb er weitgehend unbekannt.
Martin Scorsese hat die Geschichte aufgegriffen und für ein amerikanisches Publikum neu erzählt. Er hat die Handlung nach Boston verlegt, die Triaden durch die irische Mafia ersetzt und den Film emotional und bildlich noch einmal aufgeladen. Das Original aus Hongkong ist roh und kalt, fast distanziert. Scorseses Version ist emotionaler, gewalttätiger und nimmt die Zuschauer*innen auf eine andere, europäischere Weise mit. Und genau damit hat er es geschafft, dass sein Film vier Oscars gewinnt – darunter „Bester Film" – und international eine Reichweite bekommt, die das Original niemals erreicht hätte.
Vielleicht liegt die größte Stärke von Remakes genau darin, dass sie zeigen, dass ein Film nie wirklich abgeschlossen ist. Eine Geschichte verändert sich mit der Zeit und mit den Menschen, die sie neu entdecken.Genau deshalb glaube ich, dass Remakes immer relevant bleiben werden. Unser einziger Wunsch ist, dass, ob Reboot oder Remake, die Ursprünge nicht vergessen werden. Das Original sollte Bezugsrahmen sein und die Verbindung zwischen den beiden Filmen künstlerisch nachvollziehbar bleiben. Letztlich ist es ähnlich dem, wie der Kommunikationswissenschaftler Klaus Schönbach im Rahmen seiner Publikation „Verkaufen, Flirten, Führen. Persuasive Kommunikation – ein Überblick“ aus dem Jahr 2016 anregte: es brauche eine zuverlässige Überraschung.
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Über die Autorinnen/Autoren

Rohat Bahcetepe ist 27 Jahre alt und studiert im 4. Fachsemester Medienmanagement an der University of Applied Sciences St. Pölten. Neben dem Studium ist er als Booking Manager für die Austrian College Sports League tätig und unterstützt Newcomer Artists bei dem Start ihrer Karriere.
Kontaktoption: mm241021@ustp-students.at

Jasmin Kietze ist 21 Jahre alt und studiert Medienmanagement an der FH St. Pölten. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich gerne mit Zeichnen und Fotografie.
Kontaktoption: mm241031@ustp-students.at