Authentisch. Bodenständig. Kartoffel.
Jana und Marlene unterhalten sich während ihrer Mittagspause auf der Terrasse. Willst du wissen, worum es geht? Tu so, als wärst du beschäftigt und spitz deine Ohren!
Marlene: Letztens habe ich wieder alte YouTube-Videos angeschaut. Ich habe mich gleich in die Zeit zurückversetzt gefühlt. Die Videos sind für mich einfach authentisch[1].
Jana: Ja stimmt, damals war alles einfach viel näher an dem eigenen Lebensbild. Kleine Zimmer, schlechte Beleuchtung, billige Kameras und trotzdem habe ich stundenlang zugeschaut. Ich hätte das wahrscheinlich nicht anders gemacht, günstiges Equipment und wackelige Bilder. Das ist einfach bodenständig und nahbar. Es hat sich schon fast so angefühlt, als würde man einfach ein Video von einer guten Freundin anschauen. Man spürt die Nähe oft durch den Bildschirm und vergisst dabei manchmal, dass man gerade ein Video schaut.
Marlene: Ich habe auch immer Vlogs gemacht nur für mich privat, ich habe sie nie veröffentlicht. Das war dann ja eigentlich nichts anderes als Low-Cost[2]. Das Schöne an solchen Produktionen ist meiner Meinung nach, dass man die Menschen in den Videos einfach spürt. Dabei spielt die Art von Equipment überhaupt keine Rolle. Es wird auf reale Locations, natürliche Beleuchtung und eben Menschen gesetzt. Das gibt dem Ganzen eine richtig bodenständige, greifbare Atmosphäre.
Jana: Da muss ich dir zustimmen, ich finde, dass man das richtig merkt. Das Ganze ist von Lebendigkeit und Ungeplantem geprägt. Da reicht es einfach vollkommen einfach draufzuhalten, wie ein Handgelenksschnappschuss mit dem Handy. Die eigene Persönlichkeit und Freude am Projekt, ist das, was im Endeffekt bei Low-Cost-Produktionen zählt und vor allem bei mir gut ankommt. Qualität bedeutet hier nicht immer perfekt zu sein, sondern echt und nah. Ich als Zuschauerin fühle mich dadurch eher verbunden, weil ich etwas sehe, was meinen Alltag einfach widerspiegelt.
Schoten-Shooting. Bild: Jana
Scharfer Inhalt, unscharfes Bild
Marlene: Wenn das Budget gering ist, dann rückt die Geschichte automatisch in den Mittelpunkt. Den Rest blende ich aus oder empfinde ihn automatisch als weniger relevant.
Jana: Ja, voll! Mir gefällt, dass man das Gefühl hat, man ist mit einer guten Freundin im Wohnzimmer. Der Fokus liegt einfach auf den Persönlichkeiten, dem Inhalt und der Message.
Marlene: Es geht vielmehr darum, möglichst viel zu erzählen, anstatt möglichst viel zu zeigen. Ich merke, dass die Macher*innen von Low-Cost-Produktionen ihre Geschichte lieben und sie auch so authentisch wie es nur geht rüberbringen wollen. Also der Inhalt trägt die Produktion. Low-Cost-Produktionen sind oft deswegen so überzeugend, weil sie sich nur darauf fokussieren, was sie erzählen wollen. Und genau das zwingt zu Ehrlichkeit. Man kommuniziert direkt mit dem Publikum. Ich als Zuschauerin bin Teil der Welt, weil nichts dazwischensteht.
Mittlerweile sitzt du näher an den beiden, um besser zuzuhören. Du bist Teil der Geschichte, nichts steht mehr zwischen euch.
Jana: Und genau das ist, was die Inhalte so stark macht. Sie laden dazu ein, aktiv zuzuhören und mitzudenken. Ich werde als Zuseherin nicht nur berieselt, sondern bin ein aktiver Teil des Erzählens. Wenn die Geschichte mich trägt, dann brauche ich gar keine zusätzlichen Reize. Ich spüre richtig das hier was Echtes passiert. Die Botschaft und die Emotion stehen im Mittelpunkt.
Marlene: Genau, weniger ist hier oft mehr. Die Konzentration liegt wirklich auf dem Wesentlichen, und das ist etwas ganz Besonderes. Man kann tiefer in Themen einsteigen, die sonst eher oberflächlich bleiben. Es entsteht einfach eine pure Freude am Geschichten erzählen und Produzieren von dem Werk. Und diese Freude, die überträgt sich richtig auf die Konsument*innen. Man sieht, dass die Macher*innen entspannt waren und Spaß dabei hatten. Das wirkt sich natürlich direkt auf die Authentizität aus. Es wirkt nichts verbissen oder erzwungen. Mir bleibt dabei die Zeit, mich fallen zu lassen. Belohnt werde ich dann mit einer Erzählung, die sich einfach vollständig anfühlt.
Leere Geldbörse, voll mit Liebe. Bild: Jana
Knapp bei Kasse
Marlene: Ich habe es vorhin schon kurz erwähnt: Früher habe ich auch Videos produziert. Nur für mich. Theoretisch hätte ich die auch einfach veröffentlichen können. Die Hemmschwelle[3] ist einfach so gering, dass man fast schon gepusht wird zu starten. Allein die Tatsache, dass man ohne Budget einfach drauf losstarten kann, macht Low-Cost-Produktionen für mich attraktiv. Eine leere Geldbörse ist genau das, was sie ausmachen. Man kann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Das nimmt einem auch irgendwie den Druck. Wenn das Budget nicht so groß ist, dann steht auch einfach nicht so viel am Spiel. Man hat gleich viel mehr Energie, die man kreativ in das Werk reinstecken kann. Und genau das ist der brennende Punkt. Wenig Budget heißt nicht gleich weniger Freiheit, sondern eigentlich genau das Gegenteil. Man trägt weniger Last mit sich, etwas „Großes“ erschaffen zu müssen. Man tut einfach nur das, was einem wichtig ist und Freude macht. Und das hatte ich bei meinen Vlogs auch: viel Freude am Machen!
Jana: Du sagst es! Es gibt keinerlei Bedingungen der Mittelgeber, wessen Brot ich ess‘, dessen Lied ich sing‘ oder so, die man zu erfüllen hat. Man produziert einfach für sich. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Und das merke ich auch, wenn ich mir solchen Content anschaue. Der Druck wird zur Leichtigkeit und das spürt man. Inhalte stehen im Zentrum, weil sie ganz ohne Zwang entstehen. Die Beschränkung des Budgets wird hier sogar zur Stärke. Es wirkt nichts verbissen oder erzwungen. Ich habe einfach Spaß zuzuschauen.
Marlene: Genau, das gibt einem die Freiheit, Dinge einfach mal auszuprobieren. Man versteckt sich dabei nicht hinter Effekten und teurem Equipment, sondern zeigt einfach sein wahres Ich. Das Ganze fühlt sich dann mehr wie ein Experiment an, anstatt eine Verpflichtung. Das führt dazu das richtig schöne Momente entstehen, die sonst nie passiert wären.
Du kannst es dir nicht mehr verkneifen und es platzt aus dir heraus.
Du: Ich will euch ja nicht stören, aber habe ich das gerade richtig mitbekommen, du hast selbst Vlogs produziert? Kann ich die mal sehen?
Marlene: Nein das ist privat. Ich freue mich halt selber dran. Außerdem will ich mich hier nicht vor einer Million Menschen entblößen.
Quellnachweis
[1] https://blog.markenzeichen.de/authentizitaet-in-videos-warum-echte-bilder-mehr-zaehlen-als-hochglanz-produktionen[2] https://filmlexikon.uni-kiel.de/doku.php/l:lowbudgetproduktion-3883[3] https://www.reddit.com/r/Filmmakers/comments/1obq1q5/why_exactly_do_some_low_budget_films_look_and/?solution=2ad0f9ff9f68beba2ad0f9ff9f68beba&js_challenge=1&token=7afd7253fec22262ff1c52b1703fe9ecf8c4c0beeb9e68fb39505b278238e2c&jsc_orig_r=&tl=de
Über die Autorinnen
| Marlene ist 21 Jahre alt und studiert im 4. Fachsemester Medienmanagement an der USTP St. Pölten. Sie mag coole Outfits, gute Haarschnitte und stimmungsvolle Partys. |
Jana ist 24 Jahre alt und studiert im 4. Semester Medienmanagement an der USTP St. Pölten. Sie lebt sich gerne kreativ aus, ob beim Zeichnen oder in der Küche. |
| Kontaktoption: mm241005@ustp-students.at |
Kontaktoption: mm241028@ustp-students.at |
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